Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele bei Ärgerbewältigung

Aktualisiert: 6. März


Als Experte für Ärgerprävention und -bewältigung arbeitete ich bisher primär "kognitiv".

Mit anderen Worten: Ich unterstütze meine Klienten und Klientinnen dabei, sich ihre Gedanken über die Welt im Allgemeinen, aber auch über schwierige Mitmenschen und letztlich auch sich selbst anzuschauen und immer wieder zu prüfen: Ist das wirklich so?

Wie könnte ich dazu beigetragen haben, dass die Beziehung gerade schwierig war. Und: Was hat das grundsätzlich mit mir zu tun? Mit meinen Werten, meinen Normen, meinen Glaubenssätzen.


Meine Überzeugung: Nur wer sich selbst auf die Schliche kommt, kann die Beziehung zu anderen gesunden und sich dabei kontinuierlich weiter entwickeln. Von einem selbstgerechten, ignoranten Bewerter zu einem einfühlsamen, selbstkritischen Erwachsenen, der vertrauensvolle Beziehungen ermöglichen kann.

Was mir schon seit Langem bewusst war: Bloßes Denken bringt recht wenig, wenn man die emotionale Lage außer Acht lässt. Viel zu oft höre ich noch die einschränkende Sicht, "Gefühle hätten in der Berufswelt nichts zu suchen". Das Gegenteil ist der Fall: Nur wer sich seiner Emotionen bewusst ist, finden einen Zugang zu den inneren Prozessen. Man muss ja nicht gleich weinen (Trauer) oder schreien (Wut) - es reicht schon, diese Gefühle wahrzunehmen und aus ihnen heraus bzw. mit Ihrer Hilfe voranzukommen. Der so wichtige Zusammenhang: Unerfüllte Bedürfnisse führen zu unangenehmen Gefühlen. Heißt im Umkehrschluss: Wenn du Gefühle wie Ärger, Ohnmacht, Schuld, Scham, Angst oder auch Trauer wahrnimmst, dann sind das beste Voraussetzungen, zur Bedürfnisebene zu gelangen und damit wieder konstruktiv

und zielführend zu werden. Du erkennst den Grund des unangenehmen Gefühls und kannst diesen Grund angehen, indem du dir deine Bedürfnisse zum Beispiel durch andere Strategien erfüllst oder sogar darauf mal kurz verzichtest. Mithilfe einer solchen "emotionalen Kompetenz" - ich weiß, welches Gefühl ich gerade habe und warum es entstanden ist und ich weiß,

wie ich es regulieren oder sogar auflösen kann - können sich meine Kunden und Kundinnen quasi selbst immer wieder stabilisieren und ein Leben vollen Souveränität und Gelassenheit führen.

Was für mich neu ist: Dass neben den Gefühlen auch der Körper eine wichtige Informationsquelle ist. Diese neue Sicht habe ich Alexandra zu verdanken, die ich auf einem Sommerfest im Garten einer gemeinsamen Freundin kennenlernte. Sie erzählte mir von der Kuschelpraxis und mir war sofort klar, dass ich da etwas Wichtiges ausgeblendet hatte - wahrscheinlich, weil es für mich (noch) ein Tabu gewesen war. Es ist so schon nicht leicht, meine Kunden und Kundinnen für das Emotionale zu begeistern, jetzt auch noch für das Körperliche.

Nun, ich werde sehen, wie mir das gelingen wird. Was ich weiß: Wenn ich ihnen wirklich helfen will im Sinne einer ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklung, dann geht das nur im Dreiklang aus "Körper, Geist und Seele". Interessanterweise taucht hier der Körper sogar schon an erster Stelle auf. In meiner Arbeit kommt der Körper an der dritten Stelle, etwa so:

1. Zunächst geht es darum, sich der eigenen einschränkenden Gedanken bewusst zu machen und diese umzuwandeln in erlaubende.

2. In Schritt zwei wenden wir uns den Emotionen zu: Was fühle ich da gerade und warum?

3. Schließlich der Körper: Was sagt mir der Puls, was die Rötung, was die Hitze, was die angespannte Muskulatur und wie verhält sich mein Atem gerade ...?

Der Austausch mit Alexandra hat meine Arbeit um die so wichtige dritte Ebene erweitert. Mein Körper gibt mir das ehrlichste Feedback darüber, wie es mir grad geht! Ich darf ihn durch direkte Zuwendung als feinfühligen Feedbackgeber wertschätzen und seine Bedürfnisse wichtig nehmen. Zusätzlich erkenne ich das Potenzial für das Auflösen von schmerzhaften Gefühlen und verletzenden Gedanken durch liebevolle, zwischenmenschliche Berührung. Empathische Zuwendung scheint in uns Menschen ein grundsätzliches Vertrauen ins Leben wachsen zu lassen - seit unserer Geburt brauchen wir sie als körperliches, geistiges und seelisches Grundnahrungsmittel.


Philipp Karch Mehr zu Philipp Karch finden Sie auf der Website...

Philipp ist Coach, Trainer und Speaker für Ärger-Minimierung. Für sein Kernthema "Schwierige Gesprächssituationen meistern" vermittelt er Schlüsselkompetenzen in den Bereichen Emotionale Kompetenz, Motivation und Feedback.

Er ist Autor des Buches ""Was mich ärgert, entscheide ich!"

Sein Motto: Tacheles reden. Und das mit Takt.

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